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nachruf

die Woll-lust ist nun geschlossen

heute war mein letzter arbeitstag in der woll-lust.

die ladentüren sind geschlossen.

in nördlingen gibt es nun kein wollgeschäft mehr.

 

 

in meinen augen ist das verschwinden eines jeden kleinen und individuellen einzelhandelgeschäftes ein verlust für unsere städte und fußgängerzonen. die woll-lust war mehr als ein verkaufsgeschäft. hier traf man auf gleichgesinnte, tauschte ideen zu projekten, konnte sich bei anleitungen weiterhelfen lassen oder lernte wie man selber eine strickidee verwirklichen kann, konnte in helften und büchern stöbern und die woll- u. garnkäuel noch anfassen. hier hat man noch gespürt dass das herzblut der inhaberin gitti loibl in diesem gut sortierten laden steckte.

das bänkle, das bei gutem wetter vor dem laden stand, auf dem wir saßen, alleine oder mit freundinnen und kunden, strickten oder häkelten und mit den vorüberziehenden ein paar worte wechselten, wird nicht nur mir fehlen.

genauso wie das lachen, denn das lachen meiner chefin war ansteckend und verbreitete sich in dem teil der fußgängerzone in der der laden war. wenn ich mal keinen dienst hatte und in der nähe unterwegs war hörte ich es schon von weitem und ich fühlte wie sich freude in mir und der straße ausbreitete. ja, auch das wird mir fehlen.

nun ist ein vacuum entstanden. vielleicht zieht das ja andere mutige an die ihren traum von ihrem eigenen wollgeschäft verwirklichen wollen. sollte es so sein dann wünsche ich ihnen 'glückauf'!

 

wenn über kurz oder lang unsere innenstädte persönlich und vielfältig bleiben sollen, dann müssen wir als einzelne und als gesamte gesellschaft unser kaufverhalten streng überprüfen. vielleicht gibt es in zukunft schlaue und innovative ideen den 'artenreichtum' bei läden zu bewahren bzw neu zu schaffen. denn wo liegt der reiz wenn in jeder stadt nur noch die gleichen handelsketten vertreten sind, oder in kleineren orten wie in meiner heimatstadt bald nur noch pizzerien und cafes das straßenbild prägen? mag sein dass es neue dienstleitstungen geben wird, die unserem menschlichen wunsch nach gemeinsschaftlichkeit gerecht werden. ich jedoch hatte noch keinen geistesblitz der mir eine konkrete perspektive zeigt wie sich das gestalten ließe, schlauere köpfe mögen sich damit befassen. aber ich will die hoffnung nicht aufgeben. wir menschen sind doch vom wesen her sozial und lieben es miteinander zeit zu verbringen. noch ist es ein beliebter zeitvertreib langsam durch orte zu bummeln und hie und da ein bisschen stehenzubleiben, zu schauen oder zu tratschen.

doch vielleicht ist unsere gesellschaft auch bald so weit dass es nicht mehr nur noch um immer mehr produktion und verkauf gehen wird, sondern ums gemeinsame persönliche wachsen? vielleicht füllen zunehmend sing- und tanzgruppen, joga- und meditationskurse, selbstheilungsseminare, mal-, strick- oder bastelkurse, geschichtenerzähler und gute zuhörer die ladenflächen? vielleicht schallt überall ein fröhliches lachen durch die straßen und keinen läßt das leid seines nächsten unberührt? vielleicht .

 

wie auch immer, das leben geht spannend weiter.

 

eure leeanne

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